Vom Ostermontag, 09. April, bis einschließlich Samstag, 14. April 2007, fuhr eine Gruppe
des Theologischen Mentorats auf Studien- und Pilgerreise in die Toskana und nach Umbrien.
Sinn und Motivation des studienbegleitenden Angebotes ist es jährlich, über die individuelle
Situation von Kirche in anderen Regionen und Ländern zu informieren und sie zu erleben.
Die Organisation der Fahrt hatten alle TeilnehmerInnen gemeinsam übernommen,
die Hauptverantwortung und Koordination lag bei der Leiterin des Theologischen Mentorats,
Barbara Seiller.
Erster Anlaufpunkt und erste Übernachtungsstation war das "Dorf" (16.000 Einwohner)
Schwyz
in der Schweiz. Dort besuchten die Reisenden ihren früheren Mitstudenten, David Hiendl,
der im Erzbistum Bamberg zum Pastoralreferenten ausgebildet wurde und nun in der Schweiz
eine Anstellung gefunden hat. Hier bestand die Möglichkeit sich im Einzel- und Gruppengespräch
über die Situation der Schweizer Gemeinden und die Arbeit vor Ort zu informieren, miteinander
zu wandern und Ostern zu feiern.
Tags darauf führte der Weg weiter nach Italien.
Der nächste Zielpunkt der Reise war der kleine Ort
Loppiano nahe Florenz. Dort befindet sich
eine Mustersiedlung und Fortbildungsstätte der Focolar-Bewegung, einer neuen geistlichen
Gemeinschaft. Chiara Lubich hatte sie im 2. Weltkrieg gegründet. Der Kontakt nach Loppiano
besteht ebenfalls durch eine ehemalige Bamberger Theologiestudentin, Janina Hiebel, die nach
ihrer Diplomprüfung als Mitglied der Fokolar-Bewegung nach Loppiano gegangen ist. In langen
Gesprächen wurde sehr intensiv über das Leben der Focolare diskutiert. Bei einem Abendessen,
in einer Atmosphäre großer Gastfreundschaft, konnten viele Fragen in einer Runde, bestehend
aus Focolaren und Studierenden, gestellt und geklärt werden.
Die Wohngruppe von Frau Hiebel besteht aus 13 jungen Frauen verschiedener Nationen, die fast
alle ein Hochschulstudium absolviert haben. Vom Leben dieser Menschen angeregt, wurde noch
lange über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen verschiedenen Lebens- und Glaubensformen
gesprochen.
Sicher gehörte eine Eucharistiefeier in der dortigen Kirche Maria Theotokos, geweiht 2004,
zu den Höhepunkten der Reise. Vorher hatte eine an der Bauplanung beteiligte Frau eine besondere
Führung durch die Kirche gegeben.
Natürlich durfte auch die Kultur auf der Reise nicht zu kurz kommen. So führte ein Tagesausflug
nach
Florenz. Zahllose Bauwerke berichten dort vom Glanz und einstigen Reichtum dieser Stadt.
Besonders beeindruckend sind die Größe und der Schmuck des Domes.
Bereits am nächsten Tag brach die Reisegruppe nach Assisi auf. Unterwegs wurde die Stadt
Siena
besucht: Aufgrund seiner Bausubstanz noch heute ein Paradebeispiel für eine mittelalterliche
toskanische Stadt. Neben dem Platz mit dem Rathaus und dem Dom ist die Kapelle im Wohnhaus
der heiligen Katharina von Siena äußerst sehenswert. Als mutige Frau, die ihren Glauben in
einer schwierigen gesellschaftlichen und kirchlichen Situation in die Tat umsetzte, lernte die
Gruppe angehender Theologinnen und Theologen Katharina kennen.
Gegen Abend trafen die Studierenden in
Assisi ein. Beim Anblick der Stadt drängte sich einigen
TeilnehmerInnen unwillkürlich der Vergleich mit Jerusalem auf, das ebenfalls auf dem Berg liegt,
und der Psalm 122 kam in den Sinn: "Schon stehen wir in deinen Toren". - Noch heute ist die
Oberstadt von Assisi von einer Stadtmauer umgeben. Durch acht Tore finden die Besucher Einlass
in die Stadt.
Am folgenden Tag wurden die Pilgerstätten in Assisi besucht und des Lebens des heiligen Franziskus
und der heiligen Klara gedacht. Beeindruckend sind die Basilika San Francesco und Santa Chiara,
die die sterblichen Überreste der Heiligen aufbewahren. Nicht weniger sehenswert sind aber die
anderen Orte in und um Assisi, die das Leben des heiligen Franziskus und der heiligen Klara lebendig
werden lassen: Allen voran das schlichte Kirchlein San Damiano. Hier hatte die Gruppe Gelegenheit,
die abendliche Vesper zu besuchen. Die prunkvolle Kirche Santa Maria degli Angeli und nicht zuletzt
die Einsiedelei der Carceri erschlossen allen Reisenden wichtige Wegstationen des Heiligen.
Diese Fahrt war ein Blick auf und in die Weltkirche, eine Berührung mit verschiedenen Formen von
Spiritualität, die Begegnung mit Glaubensmüttern und -vätern und eine Möglichkeit für die
Studierenden, Gemeinschaft zu stärken.
Andreas Löbenfelder